Aufforstungsfläche
200,58 ha
CO2 Bindung
2005,8 t

Waldvermehrung

Methode



Voraussetzungen für die Wiederbewaldung   ==> Verfügbarkeit von Flächen
Im Erftkreis ist der Wald durch die für die Landwirtschaft günstigen klimatischen Bedingungen und hervorragende Böden auf schlechtere Standorte zurückgedrängt. So liegt das Bewaldungsprozent bei nur 11 %. Die gesamte Region gehört damit zu den Bereichen, in denen die Waldvermehrung ausdrückliches politisches Ziel ist und durch Fördermittel der EU, des Bundes und des Landes gefördert wird. Die sich in den letzten Jahren verschärfende Krise in der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass heute überhaupt erst Flächen für die Erstaufforstung zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich meist um Flächen, die zuletzt gerodet wurden und nur mit hohem Aufwand und Risiko zu bewirtschaften sind. Sie weisen häufig sehr ungünstige Flächenformen und für die Gegend niedrige Bodenwertzahlen auf. Wir legen Wert auf Einvernehmen mit der Landwirtschaft und ihrer Vertretung und Rücksichtnahme auch auf einzelbetriebliche Probleme und Anforderungen. ==> Akzeptanz der Landwirtschaft
Der Flächenzuschnitt muss die Erfordernisse der Bewirtschaftung der Nachbarflächen berücksichtigen. Flächentausch und überhaupt ein flexibles Aufforstungskonzept können Schwierigkeiten vermeiden. ==> Finanzmittel
Alle Quellen müssen erschlossen werden, denn Finanzmittel sind knapp. Im Erftkreis sind folgende Mittel eingeflossen:
==> Sponsorengelder für Aufforstungsmaßnahmen
==> Forstliche Fördermittel des Landes für Aufforstungsmaßnahmen
==> Naturschutzfördermittel des Landes zum Ankauf von Flächen
==> Ersatzgelder (als Ausgleich für Eingriffe in Natur und Landschaft) zum Flächenerwerb
==> Bereitstellung von Flächen durch kommunale oder private Eigentümer ==> politischer Wille:
Wesentliche Voraussetzung für eine positive Entwicklung ist, das Thema Waldvermehrung laufend in der Öffentlichkeit präsent zu halten und möglichst viele davon überzeugen, dass Wald unter anderem auch die beste Form von Ausgleich und Ersatz ist. Besonders wichtig ist das Argument der künftigen Wertschöpfung durch die Wiederbewaldung. Planung Die Planung muss folgenden Anforderungen genügen: ==> Einfach
Sehr häufig wird zu kompliziert geplant; man plant den Aufbau des ganzen Waldökosystems im einzelnen mit Pflanzschemata für Bestand und Waldrand.
==> Angemessen
Wald entwickelt sich, und die Planung muss die Entwicklungsmöglichkeiten berücksichtigen, ohne Einzelheiten vorwegnehmen zu wollen. Natur ist nicht nachzukonstruieren, es geht um die Initialzündung.
==> Orientiert an den natürlichen Waldgesellschaften
Die Baumartenwahl sollte sich an den natürlichen Waldgesellschaften orientieren. Dies schließt andere ergänzende Baumarten wie z. B. Bergahorn nicht aus, um das standörtliche Potential auszunutzen.
==> Preiswert
Sie darf nicht mehr als ein paar %-Punkte der Maßnahmenkosten kosten; in der Regel kann sie durch die Forstverwaltung und / oder das Kreisplanungsamt erfolgen.
==> Schnell
Sie darf keine bürokratischen Hürden aufbauen.
Methoden der Wiederbewaldung von Ackerböden ==> Erste Maßnahmen
==> Bodenvorbereitung
==> Aufreißen der Pflugsohle
==> Vorsicht bei Dränage (Nachbarflächen)
Je nach früherer Nutzung ist eine Bodenbearbeitung vor der Kulturanlage unbedingt notwendig, um Verdichtungen durch landwirtschaftliche Geräte aufzuheben und die Entwicklung von hemmender Vegetation zu verhindern. Sehr wichtig ist dabei die Durchbrechung der Pflugsohle durch Bearbeiten mit einem Tiefgründer. Pflügen sollte man Flächen nur dann, wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, die Kapillarität wieder entstehen zu lassen. Kurzfristiges Pflügen vor der Kulturanlage kann zu Ausfällen in niederschlagsarmen Perioden führen. Auf Grünflächen hat es sich bewährt, Streifen für die Pflanzung zu fräsen, auf denen erneuter Graswuchs durch Beschattung mit Gräsern von den Seiten her deutlich vermindert ist. Auf jeden Fall ist die Beschädigung von Drainagesystemen von Nachbarflächen zu vermeiden: für die Waldfläche selbst ist die Drainage nicht erforderlich, eher schädlich. ==> Baumarten
Die Stiel- und Traubeneiche sind in Mischung mit Hainbuche vor dem Edellaubholz die wichtigsten Baumarten, während die Rotbuche auf kleinere Anteile beschränkt bleibt. Der Roterlenanteil ist in die Flächen als Vorwaldart eingemischt. Dies hat sich in den letzten Jahren als vorteilhaft für den Schluss und die Wüchsigkeit von Kulturen erwiesen. Zukünftig sollte die Begründung von Beständen mit Edellaubholz noch mehr gefördert werden, um die standörtlichen Möglichkeiten von ehemaligen Ackerflächen voll auszuschöpfen. ==> Pflanzenmaterial
==> Herkunftsgesichertes Material (Forstliches Saat- und Pflanzgutgesetz)
==> Größe:
==> Esche, Kirsche, Ahorn 140-180 cm, 3 jährig
==> Eiche 120-150 cm, 3 jährig
==> Buche, Erle, Linde, Hainbuche 80 - 120 cm, 3 jährig
Die Verwendung von Laubholzpflanzen über 120 cm Größe (Großpflanzen) hat im Rheinland eine mehr als hundertjährige Tradition. In alten Forsteinrichtungswerken sind Hinweise zu finden, Kämpe zur Erziehung von Eichenheistern anzulegen, um dann damit Flächen aufzuforsten. Die Vorteile der Großpflanze liegen vor allem im Wuchsvorsprung gegenüber der Begleitvegetation und in der geringeren Empfindlichkeit gegenüber Bodenfrösten und dem Verbiss durch Rehwild. Gatterbau und Freischneidearbeiten entfallen mit der Verwendung der Großpflanze bei der Erstaufforstung praktisch ganz. Allerdings sollten die Pflanzen gerade bei der Eiche nicht größer als 150 cm sein, damit der Wind sie nicht umdrückt. Bei Buche genügen Pflanzen der Größe 80-120; allgemeine Qualitätsanforderungen wie z. B. ein ausreichender Wurzelhalsdurchmesser sind strikt zu beachten. ==> Pflanzverbände, Pflanzverfahren
Bei der Entscheidung über Pflanzenzahl und -verband sind neben den Kosten auch die Sicherheit des Kulturerfolges und die für den Schluss der Kultur nötige Zeitspanne zu berücksichtigen. Ist erst einmal eine Vergrasung der Fläche eingetreten, können Wurzelkonkurrenz und Mäuseproblematik die Einsparungen bei der Kulturanlage schnell zunichte machen. Die Erstaufforstung sollte aus einem Guss gelingen und sich ohne weitere Maßnahmen entwickeln, um auch den organisatorischen Aufwand für die meist zerstreut liegenden Flächen zu minimieren. Da die Erstaufforstung meist mit Sponsorengeldern durchgeführt wird, ist es notwendig, dass ein Erfolg auch schnell sichtbar wird. Verfahren mit jahrelangen Wartezeiten und freiem Blick auf Distel und Brennnessel verbieten sich aus dieser Sicht, wenn sie auch ökologisch vielleicht sogar vorteilhaft wären. Der Schluss der Kultur sollte nach drei bis vier Jahren eintreten.
==> Eichenwaldtypen: 4000-5000 Stück / Hektar; 2 x 1,5 m, ca. 30 % Mischbaumarten
Unter den örtlichen Bedingungen werden bei Eichenkulturen etwa 4000 Pflanzen, davon 20 % Roterle und 30 % andere Mischbaumarten im Verband 2 x 1,25 m gepflanzt.
==> Buchen- und Edellaubholztypen (Esche, Ahorn, Kirsche): 3000-4000 Stück / Hektar
Buche und Edellaubholz werden mit etwa 3000 Pflanzen je Hektar einschließlich der Mischbaumarten begründet. Erweiterte Pflanzverbände oder Truppverfahren sind bisher nicht praktiziert worden, da das Aufkommen an Begleitbaumarten auf ehemaligen Acker- und Grünlandflächen auf Lösslehmböden erfahrungsgemäss sehr gering ist.
==> Maschinenpflanzung (große Wurzel)
Die Pflanzarbeiten werden in der Regel maschinell durchgeführt. Aufgrund der eher schweren Böden verwenden wir eine einreihige schleppergezogene Pflanzmaschine für Großpflanzen, die auf Ackerflächen eine Leistung von 1 bis 1,5 Hektar je Tag hat. Da die Tage mit guten Bedingungen für Pflanzarbeiten (weder zu nasser noch zu trockener Boden, frostfrei) nicht häufig sind, müssen sie durch gute Organisation voll ausgenutzt werden. Gerade bei den hier
vorkommenden Bodenarten muss das Risiko der Bodenverdichtung durch die Wahl des günstigen Bodenzustands minimiert werden. Die Kosten für die Pflanzung von Großpflanzen belaufen sich auf 0,25 bis 0,35 ? / Stück. Sträucher werden gelegentlich mit Spaten gepflanzt.
==> Schutz gegen Wild (Kaninchen, Rehe)
Gefahren durch Wild drohen Erstaufforstungen in Waldesnähe durch Rehwild, das die neu geschaffenen Lebensräume schnell besiedelt. Werden Großpflanzen verwendet, müssen nur einzelne Baumarten wie z. B. die Vogelkirsche mit Kunststoffspiralen gegen Fegeschäden geschützt werden. Schwieriger ist die Situation in der Nähe von Kaninchenvorkommen. In Einzelfällen war ein chemischer Einzelschutz mit entsprechend zugelassenen Mitteln nicht zu umgehen. Weder Zaun noch intensive Bejagung konnten das Problem der Nageschäden an einer Eichenkultur lösen.
==> Schutz gegen Mäuse (Scher- und Rötelmaus)
Das Aufkommen von Mäuseschäden hängt entscheidend mit der Entwicklung der Bodenvegetation zusammen. Vergrasung ist auf Dauer nur durch Beschattung zu beseitigen; damit verschwinden auch die Mäuse. Eine flankierende Maßnahme ist die Aufstellung von gerne angenommenen Julen für Greifvögel, ganz wichtig aber der möglichst baldige Schluss der Kultur.
==> Alternative Saat
Saaten von Eiche sind mehrfach durchgeführt worden, erwiesen sich wegen der Notwendigkeit von Gatterbau und mehrjährigen Freischneidarbeiten für unseren Raum aber zu arbeitsaufwendig und teuer. ==> Bodenbegrünung
Bei der Wiederbewaldung von bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen stellt sich meist eine spontane Begleitvegetation ein, die die hohen Stickstoffvorräte der Böden widerspiegelt. Insbesondere die Distel kann zum Ärgernis für benachbarte Nutzflächen werden und Freischneidearbeiten notwendig machen.
==> Einsaat von Phacelia (30 kg / ha), hält ca. 2 bis 3 Jahre durch Selbstaussaat
Bewährt hat sich hier die maschinelle Einsaat der Fläche mit 20-30 Kg Phacelia pro Hektar. Die Pflanzendecke hält sich über Selbstaussaat zwei bis drei Jahre, bis die Kultur genügend hoch und dicht ist. Durchaus positiv ist die sich auf ehemaligen Getreideäckern entwickelnde Begleitvegetation durch Ausfallgetreide. Ersatzweise kann man mit bis zu 50 kg/ha auch Winterroggen oder -gerste einsäen. Die Fixierung von Stickstoff ist ein positiver Nebeneffekt. Alternativ kann man auch Lupine nehmen, die aber bei kleinen Pflanzen verdämmend wirken kann. Eher negativ ist dabei auch die Stickstoffsammlung ==> Waldränder als Lebensraum
Der Waldrand als Übergang zu anderen Nutzungsformen ist ein entscheidender Beitrag zur ästhetischen, ökologischen und ökonomischen Wertschöpfung von Erstaufforstungen. Während bei Flächen in unmittelbarer Waldesnähe nur auf das Freihalten eines etwa 10 m breiten Streifens zu achten ist, werden bei Flächen in der Feldflur entsprechende Sträucher in weitem Abstand von z. B. 2 x 2 m und auch blockweise gepflanzt, da auch hier sonst zu lange Zeiträume vergehen, bis sich eine entsprechende Strauchflora einstellt. Versuchsweise angelegte "Benjes-Hecken" aus holzigem Schnittgut werden leider meist als öffentlicher Kompostplatz missverstanden und haben sich daher nicht bewährt. Die jungen Aufforstungen und besonders die Randzonen der Wiederbewaldungsflächen sind attraktive Lebensräume, die schnell von verschiedenen Tierarten besiedelt werden. Rebhuhn, Hase und Fasan sind besonders auffällig. Rehwild stellt sich nach zwei bis drei Jahren ebenfalls ein und nutzt kleine Waldinseln in der Bördelandschaft im Winter als Deckung.