Aufforstungsfläche
200,58 ha
CO2 Bindung
2005,8 t

Waldvermehrung

Effekte



Naturschutz: Flora + Fauna ==> Flora
Die aktuellen Pflanzverfahren und Pflanzenzahlen lassen breiten Raum für die natürliche Entwicklung der Vegetation. Welche Pflanzendecke sich entwickelt, hängt entscheidend von den Standorteigenschaften und vor allem von der früheren Nutzung ab. Ackerstandorte sind meist sehr nährstoffreich, was oft zu Brennnessel- oder Distelfluren führt. Erst im Laufe der Jahre wird sich hier eine artenreichere Vegetation einstellen, die dann vor allem im Waldrandbereich interessante Lebensräume bietet. Es ist vorgesehen, die floristische Entwicklung der Wiederbewaldungsflächen über Diplomarbeiten in Zusammenarbeit mit der Uni Bonn zu untersuchen und zu dokumentieren.
==> Fauna
Die Tierwelt erobert neue Lebensräume schnell. Gerade Bodenbrüter wie das Rebhuhn sind auf Altgrasbestände und Hochstaudenfluren angewiesen - und sicherlich nicht nur sie. Im Rahmen des Rebhuhnprojektes, das im Lehrrevier in Erftstadt durchgeführt wird, werden die Effekte der Durchgrünung und Aufforstung eines Landschaftsraumes untersucht.
Auch andere Tiergruppen wie Schmetterlinge oder Käfer werden gerade die isoliert liegenden Wiederbewaldungsflächen als verbindende Trittsteine besiedeln und damit zur Bildung eines stabilen Waldökosystems beitragen.
Interessant wäre es auch, gerade die Tiergruppen einmal in ihrer Entwicklung zu untersuchen, die für den Stoffumsatz in Waldböden beitragen.
==> Biodiversität
Es ist kaum möglich die Veränderung kurzfristig festzustellen. Die Entwicklung des Lebensraumes wirkt auf alle Organismen und erhöht die Artenvielfalt und die Stabilität des Ökosystems. Kohlendioxidbindung = globaler Klimaschutz Mit der Wiederbewaldung einer Fläche wird die langfristige Bindung von Kohlenstoff in Form von Holz begonnen. Unter unseren Wuchsbedingungen kann man davon ausgehen, dass über 100 Jahre ein Akkumulationsprozess stattfindet, der zum Entzug von CO² aus der Atmosphäre führt und damit dem Treibhauseffekt entgegenwirkt.
Ein Kubikmeter Holz mit einem Gewicht von ca. 500 kg (trocken) enthält ca. 255 kg Kohlenstoff mit einem Kohlendioxidäqivalent von etwa 1000kg. Den jährlichen Zuwachs in Kubikmetern kann man daher etwa mit Tonnen Kohlendioxidäquivalent gleichsetzen. Unter günstigen Wachstumsbedingungen wird daher jede Waldfläche im Erftkreis pro Hektar und Jahr im Durchschnitt 8 bis 10 Tonnen Kohlendioxid binden; bei rund 100 Hektar zusätzlich angelegter Waldfläche entspricht dies etwa 800 bis 1000 Tonnen / Jahr für die Flächen aus dem Waldvermehrungsprojekt. ==> Ein Urwald im Gleichgewicht zwischen Neubildung und Abbau von Biomasse bindet kein zusätzliches CO² mehr
Werden Wälder dann bewirtschaftet und das Holz zumindest teilweise in langlebigen Produkten verwendet, kann der Netto-Entzug auch noch weiter andauern. Anders wäre es, wenn der Wald sich selbst überlassen und ungenutzt bliebe: Nach Erreichen des Gleichgewichts zwischen Auf- und Abbau organischer Substanz würde kein weiterer Kohlenstoff festgelegt. ==> Holzverwendung erspart Energie und damit CO²-Freisetzung
Der Aufbau neuer Wälder und die möglichst langlebige Verwendung von Holz kann daher dem Treibhauseffekt entgegenwirken. Gleiches gilt, wenn Holz als Ersatz für fossile Brennstoffe als Energiequelle genutzt wird oder Holz als energieextensives Baumaterial anstelle von Beton, Stahl oder Aluminium verwendet wird. Erst in den letzten Jahre legt man mehr Wert auf die ökologische Bilanz von Baumaterialien - ein Grund, warum wir derzeit vor einer Renaissance des Holzbaus und einer vermehrten thermischen Verwertung von Holz stehen. Land und EU stellen gerade für die Förderung der thermischen Verwertung Millionen an Fördermitteln zur Verfügung.

Wirkungen für die Erholungsfunktion ==> Naturnahe, bewaldete Erholungsräume im Wohnumfeld werden sehr positiv gesehen. Sie werten Wohnsiedlungen stark auf.
Die positiven Wirkungen von Wiederbewaldung und die damit verbundene Schaffung naturnaher Erlebnisräume auf den Menschen sind kaum zu überschätzen. Beispiele geben die Wiederbewaldungsflächen in Kerpen-Türnich und am Entenfang in Wesseling, wo im unmittelbaren Wohnumfeld künftige Waldflächen mit offenen Wiesen und geschwungenen Wegen kombiniert werden. Das schnell erreichbare, ruhige Naherholungsgebiet genießt in einer zunehmend hektischen und verlärmten Welt eine immer höhere Wertschätzung. Es bleibt nur immer das Problem der Überlastung und Zerstörung solcher Areale. Dagegen hilft nur die weitere Ausdehnung. Man stelle sich Köln ohne den 1. und 2. Grüngürtel vor. Waldflächen in Ortsnähe bedeuten Lebensqualität in Form von Erholungsareal und lokalem Klimaschutz.

Immissions- und lokaler Klimaschutz; Sichtschutz
Siedlungsnahe Waldflächen bedeuten lokalen Klimaschutz!
Im dichtbesiedelten Erftkreis haben zwei weitere Effekte eine herauszuhebende Bedeutung: Die Fähigkeit von Waldflächen, Staub und Gase aus der Luft herauszufiltern und unschöne Objekte wie Strassen oder Gebäude zu verdecken.
==> Waldvermehrung an Straßen und Industriegebieten bedeutet Staubfilterung und Sichtschutz
Die Wiederbewaldungsflächen liegen daher oft auch an Strassen, um entstehende Stäube möglichst nahe an der Quelle abzufangen und gleichzeitig statt der Straßenkulisse ein grünes Band erscheinen zu lassen.
Beispiele gibt es viele, wie die Sindorfer Mühle oder die Aufforstungen südlich der Autobahnauffahrt Erftstadt. In einigen Jahren ist von Lechenich aus gesehen in diesem Teilbereich keine Autobahn mehr zu sehen. Wünschenswert wäre, gerade an solchen Verkehrsachsen weitere Aufforstungen vorzunehmen. Funktionen für den Naturschutz oder die Rohstoffproduktion können dabei ohne Einschränkung mit erfüllt werden.

Sukzession oder Aufforstung? Immer wieder wird aus ökonomischen und ökologischen Gründen die Frage der Notwendigkeit forstlicher Rekultivierung bzw. von Erstaufforstungsmaßnahmen gestellt. Sicher ist, dass die sukzessionale Entwicklung unter den Bedingungen des rheinischen Braunkohlengebietes in eine stabile Waldvegetation mündet. Anders als auf alten Waldflächen ist der Weg dorthin allerdings weit, wie man auf dem Bild hier einer über 5Jahre brach liegenden Fläche sieht.
==> bis zur Entwicklung von Wäldern der Klimaxgesellschaft vergehen Jahrzehnte bis Jahrhunderte
Schon die Entwicklung einer Pionierbestockung kann über Jahre bis Jahrzehnte durch Pflanzendecken wie Reitgras oder beispielsweise Brennnessel verhindert werden. Stellt sie sich schließlich früher oder später ein, benötigt die Entwicklung einer klimaxnahen Waldgesellschaft erneut viele Jahrzehnte.
==> Durch Aufforstung als gelenkte Sukzession kann dieser Prozess erheblich verkürzt werden, ohne dass dadurch die gewünschte Vielfalt und das Nebeneinander verschiedener Entwicklungsstufen beeinträchtigt werden. Bei den heute angewendeten Verfahren bleibt nämlich genügend Raum für solche Stadien, wodurch sowohl ökonomische als auch ökologische Ziele früher erreicht werden.
==> Ökologische und wirtschaftliche Ziele werden dadurch früher erreicht.
Für den größten Teil der Fläche wird die wirtschaftliche Funktionsfähigkeit und ökologische Wirksamkeit des Waldes erheblich schneller wieder hergestellt als durch die freie, unbeeinflusste Sukzession. Die Wiederbewaldung von landwirtschaftlich genutzten Flächen ist ein praktischer Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Erftkreises, selbst wenn bis zur Entstehung naturnaher Wälder noch Jahrzehnte vergehen. .
Gerade großflächige Neuaufforstungen wirken durch die Gleichaltrigkeit aller Bestände monoton und künstlich. Diesem Eindruck kann man durch Einbringen vielfältiger Gehölze und besonders schnellwachsender Baumarten entgegenwirken. Die Mischung von Baumarten darf aber nicht ohne Berücksichtung der Dynamik erfolgen, um regulierende Eingriffe in der Jungwuchs- und Jungbestandsphase möglichst zu vermeiden. Einzelne Gruppen und Horste von Pappeln können später frühzeitig genutzt werden und bieten dann frühe Ansätze für Struktur und Ungleichaltrigkeit.
Von der Aufforstung von Sonderbiotopen wie Magerrasen oder Feuchtbiotopen wird aus ökologischen wie ökonomischen Gründen abgesehen.

Kosten und Nutzen ==> Die Kosten betragen für die Aufforstung etwa 5-7.500 ? / Hektar
Die Wiederbewaldung von landwirtschaftlichen Nutzflächen mit forstüblichen Methoden kostet etwa 5.000 bis 7.500 ?/ha bis zur Sicherung der Fläche. Die unter heutiger Gesetzeslage gerechnete Verkehrswertminderung von Acker zu Waldboden sollte bei nüchterner Betrachtung auf die Aufwendungen reduziert werden, die für die Umwandlung von Wald zu Acker künftig nötig sein könnten.
==> Erträge aus Holznutzung sind unter den heutigen Rahmenbedingungen etwa in 30 Jahren zu erwarten. Deckungsbeiträge sind bei reiner nHolzproduktion, den heutigen forstlichen Rahmenbedingungen und Eigenarbeit erst nach 20 Jahren zu erwarten; bei Lohnarbeit dauert es etwa 60 Jahre. Weihnachtsbäume und insbesondere Schnittgrün können die Ertragslage spürbar verbessern. Gerade in günstiger Absatzlage können schon nach 4 - 5 Jahren Erlöse erwartet werden.
==> Es bleibt abzuwarten, wie sich die Wertschöpfung von Holz unter den globalen Veränderung entwickelt. Die Langfristperspektive stellt sich bei Wertholzproduktion in Anbetracht der Abnahme der Holzvorräte tropischer Wälder vielleicht besser dar. Es muss abgewartet werden, wie weit die Ertragsmöglichkeiten der landwirtschaftlichen Nutzung im Zuge weiterer Globalisierung und Reduktion der öffentlichen Subventionen zurückgehen und damit anderen Nutzungsformen Raum gegeben wird.
==> Die infrastrukturelle Wertschöpfung ist - verglichen mit den Kosten - hoch.
Ohne die Berücksichtigung der nicht marktfähigen Leistungen von Wäldern lässt sich die Erstaufforstung im Braunkohlengebiet derzeit nicht rechtfertigen. Sie wird daher derzeit auch im Wesentlichen von der öffentlichen Hand, im Wege von Ökosponsoring oder durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen realisiert. Gerade im Bereich von Ausgleich und Ersatz ist in waldarmen Regionen die Anlage von naturnahen Wäldern wegen günstiger Kosten, Langfristwirkung, CO²-Bindung und ökologischer Wirksamkeit anderen Maßnahmen überlegen. Dies ist durch die forstliche Öffentlichkeitsarbeit noch nicht ausreichend vermittelt und in der Öffentlichkeit verstanden worden.